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25 Jahre POLIFANT - Interview zum Jubiläum mit Geschäftsführerin Michaela Nowraty

Aus einem traurigen Umstand heraus entschied sich die damalige Kriminalbeamtin Michaela Nowraty im Jahr 1997 zur Gründung einer Kindertagesbetreuung in der Stuttgarter Polizei. 2.000 Arbeitsstunden und einige Spenden später ging die erste kleine Kindertagesstätte in Betrieb. Die Zustimmung bei den Kolleg*innen war so enorm, dass 1999 die Kindertagesstätte „belle maison“ in Stuttgart Ost mit zwei Erzieherinnen und fünf Kindern eröffnet wurde. Heute, 25 Jahre später, ist POLIFANT mit fünf Kindertagesstätten in Stuttgart und Ditzingen vertreten. 

Michaela Nowraty, Geschäftsführerin und Gründerin, gibt uns tiefergehende Einblicke zum Entstehen und dem Alltag von POLIFANT.

Ihr Ansprechpartner

Michaela Nowraty

POLIFANT GmbH

Gotthold-Ege-Str. 26

71229 Leonberg

07152-56949 90

Glückwunsch zu 25 Jahre POLIFANT! Welches waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Schritte und Etappen bei der Gründung von POLIFANT?

Durchhaltevermögen und keine Angst zu haben, neue Wege zu gehen.

Wenn man erkennt, dass der „Ist-Zustand“ nicht mehr ausreicht und den Anforderungen nicht mehr gerecht wird, kämpft man häufig gegen starke Kräfte an, die am Alten festhalten wollen. Ob aus Furcht vor Neuem und Unbekannten, oder aus falscher, nostalgischer „Verpflichtung“, das Alte zu bewahren.

Das ganze setzt sich wie Wellen über die Zeit hinweg fort. Oftmals kann man Menschen mit Begeisterung mitnehmen. Dann aber auch starken Widerstand erfahren.

Wie ist der Aufbau der Kindertagesstätten mit einem so besonderen Konzept, wie es POLIFANT hat, aus einer ursprünglich kleinen Kinderbetreuung für die Stuttgarter Polizei gelungen?

Es gibt die beständige, optimale Struktur oder einen solchen Aufbau. Wenn ich als Seglerin auf dem Wasser unterwegs bin, muss man das Wetter genau beobachten. Wenn sich am Horizont etwas andeutet, muss man rechtzeitig die richtigen Schlüsse ziehen und entsprechende Entscheidungen treffen. Sonst kann es schnell turbulent werden. Das, was wir bisher gemacht haben, war seiner Zeit oftmals sehr weit voraus. Heute stellen wir fest, dass viele andere Einrichtungen unseren Standard als notwendig erachten und nachgezogen sind. So werden wir auch künftig für alles offen sein, immer wieder den Mut haben, neue Wege zu gehen und die Lehren aus der Vergangenheit auf den Weg in die Zukunft offen mitnehmen.

Wie ist es gelungen, innerhalb von 25 Jahren auf mittlerweile 5 Standorte in Stuttgart & Ditzingen zu wachsen? Welche Herausforderungen galt es zu meistern?

„Gesund wachsen“ heißt hier unsere Formel. Wir sind nicht konkret auf der Suche nach neuen Standorten, sondern reagieren erst, wenn wir angesprochen werden. So müssen wir niemanden überzeugen, sondern die Überzeugung ist schon da. Diese Kontakte entstehen auf den unterschiedlichsten Ebenen und aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus und bilden sehr schnell eine gesunde und grundlegende Basis. In dieser Phase, die oft Monate und Jahre dauern kann, entsteht kein beidseitiger Druck. Kommt es dann zum gemeinsamen Projekt, geschieht dies auf Seiten der Vertragspartner aus eigenem Antrieb heraus. Somit werden dann auch in der Folge im Falle einer Realisierung eines Projektes die Konfliktbereiche minimiert.

Die Erfahrung lehrte uns aber auch, dass wir unser Fachwissen, Kompetenz und Zeit nicht unbegrenzt zur Verfügung stellen dürfen.

Leider ist auch die Pädagogik besonders vom Fachkräftemangel betroffen. Kann man als Kita dagegen ankommen?

Der entstehende Fachkräftemangel war leider klar erkennbar. Hierzu braucht man nur auf wenige Eckdaten aus der Vergangenheit und dem ausgebliebenen Handeln der Verantwortlichen schauen. Man hat als Kita sehr große Mühe, sich diesem entgegenzustellen.

Ein kurzes Beispiel: Eine Mitarbeiterin aus einem Nicht-EU-Staat muss als studierte Fachkraft ihre Anerkennungszeit bei uns absolvieren, deren Dauer erst Monate nach Beginn durch die Behörde festgelegt wird. Nach Ablauf dieser Zeit dauert es wieder Monate, bis die zuständige Behörde sie als Fachkraft bestätigt. In dem letzten Zeitfenster aber droht die Ausländerbehörde wegen fehlender Zustimmung der anderen Behörde die Abschiebung an. Alle Mühe, hier gegenzusteuern, verlief zunächst erfolglos.

Durch unsere kontinuierliche Nachfrage beim Regierungspräsidium und die Intervention bei der Ausländerbehörde, führte dann wenige Tage vor der geplanten Rückreise in das Heimatland unserer Mitarbeiterin, aus Angst vor einer plötzlichen Abschiebung, noch zu einem glücklichen Ende.

Das zeigt, dass wir uns vor unsere Mitarbeiter stellen und sie ermutigen, sich ständig fortzubilden und sie hierbei voll unterstützen. In welcher Form auch immer. Doch wie im zuvor erwähnten Fall, fällt es auch mir schwer, es den anderen Mitarbeitern mitzuteilen, dass eine liebgewonnene Kollegin vielleicht nicht mehr im Team arbeiten darf.

Was können pädagogische Fachkräfte bei POLIFANT erwarten? Was macht das Arbeiten hier so besonders?

Wir bieten unseren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen neben zahlreichen Corporate Benefits, flexible Arbeitszeiten und einem aktiven Gesundheitsmanagement, regelmäßige hausinterne Schulungen und Fortbildungen sowie Teambuilding Events. Seit Beginn unserer Gründung vor 25 Jahren hat jeder Standort eine eigene Hauswirtschaft, die täglich frische, gesunde Mahlzeiten vor Ort zubereitet. Zudem arbeiten wir nach dem offenen Gruppen- und Raumkonzept mit sogenannten Funktionsräumen, beispielsweise gibt es neben einer Turnhalle auch einen Wahrnehmungs-, Rollenspiel- oder Handwerksraum. Somit bieten wir unseren POLIFANT-Kindern die Möglichkeit, ihren Kita-Alltag jeden Tag aufs Neue selbst zu gestalten. Wir sehen Kinder selbst als Experten ihrer eigenen Entwicklung an und sind der Annahme, dass so der Lernprozess am effektivsten ist.

Bei POLIFANT verzichten wir außerdem auf steile Hierarchien und möchten die Qualität der Hausführung stark halten. Aus diesem Grund gibt es in allen Kindertagesstätten ein Leitungstandem, welches aus zwei gleichberechtigten, voll verantwortlichen Hausleitungen besteht. Die kollegiale Beratung und qualitative Ergänzung stehen hierbei im Vordergrund. Entscheidungen werden also gemeinschaftlich getroffen.

Bei uns steht jeder in seiner Einzigartigkeit im Mittelpunkt – Kinder wie Mitarbeiter*innen. Ganz getreu nach unserem Motto: Einzigartig sein, einzigartig bleiben.

Welche Ziele, Aufgaben und Herausforderungen haben Sie für die nächsten 25 Jahre?

Ziele, Aufgaben und Herausforderungen werden einem immer gestellt. Jeden Tag aufs Neue. Man muss allem offen begegnen und auch Niederlagen als Lehre betrachten. Dann sind wir für die kommenden Jahre, egal wie viele es werden mögen, bestens gerüstet. Alles andere gibt uns die Zeit.

Woran erinnern Sie sich am meisten zurück in den letzten 25 Jahren?

Der Pragmatismus der Anfangsjahre - auf Herausforderungen waren schnelle Lösungen da. Niemand hatte erwartet, dass aus einem Gedanken so schnell mit häufig spontaner Unterstützung eine innovative und zukunftsweisende Kindertagesstätte wurde. Es wurde oft beinahe rund um die Uhr 24/7 gearbeitet.

Als alles innen fertig war, meldete sich eine Frau und beanstandete den Zustand von außen. Sie bat mich, zusammen mit den Mitarbeiter*innen und Kindern die Farben auszusuchen. Wenig später stand die von ihr beauftragte Firma da und hat das Gebäude nach unseren Vorstellungen gestrichen. Solche Dinge widerfahren einem nicht häufig im Leben.

Möchten Sie uns noch etwas Wichtiges mit auf den Weg geben?

Ein Leitsatz für uns ist und bleibt: Das Kind steht im Mittelpunkt. Unabhängig aller anderen persönlichen und äußeren Einflüssen. Die Entwicklung der Kinder in den ersten Jahren ist so umfassend, dass man das Bewusstsein nicht verlieren darf: Wir sind nur ein unterstützender Teil in dieser Entwicklung. Das heißt für uns: unterstützen, begleiten, fördern, fordern und hinsehen.

Dies ist eine große Verantwortung für uns alle bei POLIFANT.